Kisten, Situps und Burpees – der „RunUp“ des TV Rennerod in der Crossfit Box in Bad Marienberg

„Gelaufen wird mit dem ganzen Körper“, predigen die Trainerinnen den RUN FOR FUN´ lern immer wieder. „Der Bauch ist fest und der Rücken gerade, die Waden hoch und die Hände geben den Takt vor.“

Da braucht man Muskeln überall. So war es eine naheliegende Überraschung, als Kathrin Kaiser und Susan Klimpke verkündeten, dass der diesjährige "RunUp" die Läufer des TV Rennerod in die Crossfitbox nach Bad Marienberg führt. Ja, Außenstehende mögen sich wundern, dass Läufer in die Box gehen. Anderseits, so groß ist die Grundschulturnhalle, in der sonst immer mittwochs trainiert wird, ja auch nicht.

Also trafen sich 17 Läufer am 23.03.2019 in Eichenstruth mit der bangen Erwartung, ob die Sünden des Winters sich nun rächen und welchen Muskelkater das angekündigte Intensivtraining wohl nach sich ziehen würde.

Begrüßt wurden sie von der Instruktorin Tonja. Sie erläuterte, dass Crossfit von den Amerikanern erfunden wurde (war ja klar, von wem sonst), um alle Muskeln im Körper zu fordern. Crossfit soll die Ausdauer, Beweglichkeit, Stärke, Koordination, Schnelligkeit, Geschicklichkeit, Balance und Genauigkeit fördern. Genau das, was auch Läufer brauchen. Genau das, was man auch für das Sportabzeichen braucht. Doch das Tolle am Crossfit ist, erklärte uns Tonja, es wird immer in nur kurzen Einheiten trainiert. Eine Stunde und die Muskeln wachsen. Freilich, da von nichts nichts kommt, seien Crossfiteinheiten sehr intensiv. Für uns hatte Tonja die „glücklichen sieben“ (happy seven) vorgesehen. Sieben Übungen, jeweils zwei Minuten lang ausgeführt, dazwischen eine Minute Pause. Danach das Ganze noch einmal. Waren zu Beginn der Einführung noch bange Gesichter zu sehen, entspannten sich nun viele. Pah, nur sieben Übungen und dann eine ganze Minute Pause - das ist ein Klacks! „Mittwochs sind es zehn bis elf Übungen und die Pausen sind viel kürzer“, hörte man es tuscheln. Als die super fitte Tonja dann die Übungen demonstrierte, aus dem Liegen in den Strecksprung schnellte, Situps machte, über Kisten stieg, Kettlebells hob, ruderte, mit Händen und Füßen Rad fuhr und mit imaginären Skistöcken Kniebeuge machte, verstummte das Getuschel. In der Minute Pause war die Treppe zwischen zwei Stockwerken zu überwinden - also war das eine aktive Pause. Möglichst viele Wiederholungen waren gefordert und genaue Ausführungen einer jeden Übung. „Nein, den Rücken gerade!“, „So breit wie du die Füße auseinander stellst, sind deine Schultern gar nicht!“, „ Beide Arme gleichzeitig!“, korrigierte sie die Trockenübungen während des Ausprobierens.

Dann wurde sich aufgewärmt und los ging es. Schnell wurde klar, das zwei Minuten intensive Anstrengung sehr, sehr lang werden. Schummeln ging nicht (wollte ja auch keiner), von erhöhter Position hatte Tonja alle im Blick und korrigierte sofort. Die Treppe wurde immer steiler, des Tempo immer höher, die Blicke zur Uhr immer sehnsuchtsvoller. Die Gespräche verstummten und der Schweiß floss in Strömen. Gedanken ratterten zunächst noch durchs Hirn: „Wieso waren dies die glücklichen sieben Übungen? Man könnte jetzt auch auf der Couch liegen. Man hätte den Burger und das letzte Bier an Karneval vielleicht besser weggelassen. Was? Man muss immer noch fünfzig Sekunden...?“ Dann wurde alle Konzentration nur noch für die korrekte Ausführung der Übung gebraucht. Dafür, um die Füße bei den Situps zusammenzuhalten, die Knie beim Beugen hinter den Fußspitzen zu lassen, bei den Burpees im richtigen Moment Luft zu holen. So ruhten nach den Gesprächen auch die Gedanken. Diesen Fluss, bei dem Körper und Geist im Einklang sind, bei dem es nur noch um die nächste Bewegung geht und in dem alle Sorgen und Kümmernisse vergessen sind, kennen Läufer. Wenn man die erste Stunde Laufen hinter sich und das Ziel noch eine Stunde vor sich hat, dann fühlt man sich manchmal so. Man könnte endlos weiter machen. In der Crossfitbox war dieser Punkt sehr viel früher erreicht, es war eben ein Intensivtraining.

Durch das Rauschen des Bluts in den Ohren drangen die Korrekturanweisungen und das ein oder andere Lob der Trainerin. Scheinbar waren die RUN FOR FUN´ ler gar nicht so schlecht vorbereitet zum Training erschienen. Dankbare Blicke gingen zu Susan und Kathrin. Die schienen die Gelegenheit zu nutzen, um einige neue Ideen für die nächsten Trainingseinheiten zu sammeln. Oh je!

Dann war es vorbei, ein Pfiff gelte durch die Box, Jubel und Applaus brandete auf. Glücklich lagen sich die Sportler in den Armen, strahlende Gesichter. Wieder eine Herausforderung gemeistert. Einmal mehr sich selbst bewiesen, dass man über sich hinauswachsen kann. Das es geht. Das man es kann, wenn man die Zähne zusammenbeißt.

Nach dem Dehnen wurden dann Erfahrungen ausgetauscht, Fotos gemacht, gelacht und geschwatzt. Alle hatten das Gefühl, etwas geleistet zu haben. Alle hatten das Gefühl, etwas über sich selbst gelernt zu haben. Nun kann die Läufersaison kommen, der Nürburgring und Mainz, der Weiltallauf und vielleicht auch wieder Frankfurt und Köln. Der Charitylauf „Run for Children“ und natürlich am 17. Mai der Alsberglauf. Wir sind gerüstet, wir stellen uns den Herausforderungen. Danke Crossfitbox Bad Marienberg und danke TV Rennerod, dass ihr uns diese Erfahrung ermöglicht habt.